Künstler

Esther Bejarano & Microphone Mafia

Esther Bejarano, deutsch-jüdische Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz, ist nicht weniger als das lebende Gegenmodell zum herrschenden Zeitgeist. Sie war Musikerin im „Mädchenorchester von Auschwitz“ und tritt heutzutage vor allem mit Rap- und Hip Hop-Gruppe „Microphone Mafia“ aus Köln auf. Trotz ihres hohen Alters gilt die Künstlerin als eine der umtriebigsten Kämpferinnen gegen alte und neue Faschisten und das Kriegsgetrommel der westlichen Welt. Sie ist nicht nur Mitbegründerin und Vorsitzende des „Auschwitz-Komitees“ in der Bundesrepublik, sondern auch Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA).
Doch nicht nur das. Sie ist auch eine Art personifizierter Gegenentwurf zu Ausbeutung, Krieg, Diskriminierung und Machtgeilheit.

Esther Bejarano wurde am 20. April 1943 gemeinsam mit allen anderen Insassen des Zwangsarbeiterlagers Neuendorf bei Fürstenwalde/Spree und über 1000 weiteren Juden, die zuvor im Berliner Sammellager in der Großen Hamburger Straße interniert worden waren, mit Viehwaggons deportiert. Sie überlebte Auschwitz wahrschenlich nur aufgrund ihrer Tätigkeit als Musikerin im weiblichen Häftlingsorchester, dem sogenannten „Mädchenorchester von Auschwitz“. Dieses hatte zur Aufgabe, zum täglichen Marsch der Arbeitskolonnen durch das Lagertor aufzuspielen. Nachdem Bejarano von den Nazis von Auschwitz ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde, gelang ihr auf einem der folgenden „Todesmärsche“ die Flucht.

Nachdem die Antifaschistin aufgrund ihrer schweren Traumatisierung lange Jahre über erlebte Qualen geschwiegen hatte und erst nach einem über 15jährigen Aufenthalt in Israel/Palästina nach Deutschland zurückkehrte, gründete sie Anfang der 1980er Jahre gemeinsam mit ihrer Tochter Edna und ihrem Sohn Joram die Gruppe Coincidence, die noch heute mit jüdischem, sowie antifaschistischem Liedgut auftritt.

Seit einigen Jahren musiziert Bejarano, die heutzutage in Hamburg lebt, außerdem mit den Rappern von Microphone Mafia, mit denen sie - gemeinsam mit ihren Kindern – im Juni 2009 das Album „Per La Vita“ (Für das Leben) veröffentlichte. Infolge dessen erschien Bejaranos Autobiographie „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen Rechts“. Darin berichtet die antifaschistische Überzeugungstäterin nicht nur von ihrer Zeit als Akkordeonistin im „Mädchen-Orchester von Auschwitz“, der Befreiung vom Faschismus, sondern auch von ihrem Neuanfang in Israel, wo sie ihren Mann kennenlernte und eine Familie gründete, bevor sie ins Land der Täter, nach Deutschland, zurückkehrte und hier erst nach und nach wieder Vertrauen fasste.

In diesem Jahr wird Esther Bejarano erneut in Dortmund zu Gast sein und keineswegs nur ein musikalisches Zeichen gegen den erstarkenden Rassismus und Neofaschismus setzen.

(Foto: UZ Archiv)

Alle Kräfte sammeln

Esther Bejarano auf der Gedenkfeier für den antifaschistischen Widerstandskämpfer Peter Gingold anlässlich seines 100. Geburtags