junge Welt

Programm der Tageszeitung  junge Welt auf dem 20. UZ-Pressefest 2018

jW-Zelt auf dem Lenin-Platz

 

Freitag, 7. September 2018

17:00 Uhr

Eröffnung der Lenin-Bar im jW-Zelt

Wir bieten Euch guten Wein, Cocktails und Rum, natürlich auch eine gute Auswahl an nicht-alkoholischen Getränken, dazu Snacks als Grundlage...

 

17:30 Uhr -18:30 Uhr

Tageszeitung junge Welt: „Bedeutendstes und auflagenstärkstes Medium im Linksextremismus“ oder „NATO-Brückenkopf“?

Mit Stefan Huth (jW-Chefredaktion), Dietmar Koschmieder (Geschäftsführung), Moderation: Andreas Hüllinghorst (Verlagsleitung)

Je mehr die junge Welt Beachtung findet, desto mehr ist sie Angriffen ausgesetzt. Sie ist die einzige deutschsprachige Tageszeitung, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Besonders beängstigend und verfassungsfeindlich finden es die Verfasser, dass die junge Welt mit kapitalistischen Verhältnissen nicht einverstanden ist. Radiosender lehnen Werbespots für die junge Welt ab, weil damit Friedenspropaganda betrieben würde. Plakate dürfen nicht verklebt werden, weil deren politische Aussage „umstritten“ seien. Andere wiederum behaupten, die junge Welt bereite die Konterrevolution in den Ländern der Dritten Welt im Interesse des Kapitals vor oder sei gar ein „Brückenkopf der Nato“.

Wer und was hinter solchen Angriffen steckt und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, diskutieren Stefan Huth, Chefredakteur der jungen Welt und Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer der Verlag 8. Mai GmbH. Moderiert wird die Veranstaltung von Andreas Hüllinghorst, Verlagsleiter.

 

18:30 Uhr -19:30 Uhr

„Aufmarschgebiet Baltikum“

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor Uwe Markus, Moderation: Stefan Huth (jW-Chefredaktion)

Das Baltikum ist durch die zunehmende Konfrontation zwischen der NATO und Russland eine Region, in der die Gefahr eines militärischen Konfliktes besonders hoch ist. Während vor allem die baltischen Staaten und Polen seit Ausbruch der Ukraine-Krise Russland als potentiellen Agressor sehen, der das Baltikum überrollen könnte, ist man in Moskau über die wortbrüchige Ostausdehnung der NATO und die damit verbundene Veränderung des militärischen Kräfteverhältnisses in der Region besorgt. Das Ergebnis ist eine Wiederkehr des Misstrauens und der Abschreckungslogik des Kalten Krieges.

 

20.00 Uhr -21:30 Uhr

„Hier ist die Erde bitter“

Musikalisch-dokumentarisches Programm von QUIJOTE über die deutschen Kriegsverbbrechen in Griechenland 1941-1945

Trio QUIJOTE

Sabine Kühnrich: Gesang, Querflöte, Nachdichtungen
Ludwig Streng: Gesang, Piano, Bouzouki, Nachdichtungen
Wolfram Hennig-Ruitz: Gesang, Gitarre

Für Millionen Deutsche ist Griechenland ein beliebtes Urlaubsland. Man kennt die Badestrände und die antiken Stätten. Aber wer kennt die Orte, an denen die deutschen Besatzer wüteten? Das faschistische Deutschland überfiel Griechenland im April 1941. Es kamen unheilvolle Jahre für das kleine Land. Alles was von Wert war, wurde geraubt. Wo man Partisanen vermutete, wurden ganze Dörfer niedergebrannt und die Bevölkerung abgeschlachtet. Fast alle Juden wurden in Konzentrationslager deportiert – nur wenige kamen zurück. Tausende starben an Hunger und Seuchen. Als die Deutschen abzogen, hinterließen sie nichts als verbrannte Erde. Davon konnte sich Griechenland nie erholen.

Die Künstler haben etliche Orte der Verbrechen besucht, an einigen haben sie sogar konzertiert. Nun also ein Programm, das dieses dunkle Kapitel der griechisch-deutschen Geschichte facettenreich beleuchtet. Nicht nur mit Augenzeugenberichten, historischen Dokumenten und Beschreibungen der Ereignisse dieser Zeit, sondern auch mit Liedern. Lieder der griechischen Partisanen. Rembetiko-Lieder des Widerstandes. Lieder der sephardischen Juden aus Thessaloniki. Und Lieder des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, der als junger Mann im Widerstand gegen die Deutschen aktiv war und in die Fänge der SS geriet.

 

22:00 Uhr -23:00 Uhr

Konzert: The Pokes Unplugged

Berliner Folk-Punk-Band mit ihrem akustischen 6er-Line-Up. Mit dabei ihr neuer Gitarrist Gregorio, der aus Chile stammt und dessen musikalische Wurzeln von Surfmusik bis Polit-Punk reichen.

 

Samstag, 8. September 2018

Ab 9:00 Uhr

Bemme-Frühstück

Frischer Kaffee und mit Liebe gemachte Brote, auch vegetarisch und vegan. Dazu Tee, Obst, Saft – alles, was zu einem guten Frühstück gehört

 

11:00 Uhr -12:30 Uhr

„Peter Hacks. Leben und Werk“

Buchvorstellung mit dem Autor Ronald Weber (jW-Redakteur Thema), Moderation: Daniel Bratanovic (Ressortleiter jW-Thema)

Peter Hacks starb vor 15 Jahren, im August 2003. Das vorliegende Buch widmet sich umfänglich Leben und Werk des Autors, der als Dramatiker zeitweise in Ost- wie auch Westdeutschland der meistgespielte war, dessen lyrisches Werk zum Kanon des 20. Jahrhunderts zählt und der mit seiner Essayistik maßgebliche ästhetische Positionen markierte sowie etliche »Literaturstreits« auslöste.

Hacks nahm unter DDR-Autoren eine Sonderstellung ein, und auch nach dem Untergang des Landes blieb er mit seiner geschichtsphilosophischen und künstlerischen Positionierung ein Solitär. Was war zu verstehen unter seinem Programm der »sozialistischen Klassik? Wogegen richtete sich der von ihm postulierte »Kampf gegen die Romantik«? Welches Potential haben die nach dem Ende der DDR entstandenen Stücke? Unbestritten gilt er als einer der markantesten, sprachmächtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, gar als der ranghöchste der DDR-Autoren, unübersehbar ist aber auch ein Einbruch in der Rezeption und eine Ratlosiogkeit gegenüber seinem Weltbild, seiner Kunstauffasung, seinem dichterischen Werk ... Diesen Fragen geht Weber nach und bietet zudem zahlreiche biografische Fakten, aus Briefwechseln, Archivmaterial, Gesprächen mit Wegbegleitern des Autors.

 

13:00 Uhr -14:30 Uhr

„Der allgegenwärtige Antisemit
Oder die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit"

Buchvorstellung: Gastautorin Susann Witt-Stahl präsentiert Moshe Zuckermanns neues Buch. Mit Esther Bejarano und Rolf Becker

Ein Ungeist geht um in Deutschland – es ist, als habe sich der Orwellsche Neusprech ein neues Feld für seine realhistorische Manifestation gesucht und es gefunden: im Antisemitismusdiskurs des heutigen Deutschland. Wahllos werden Begriffe durcheinandergeworfen, Menschen perfide verleumdet, Juden von Deutschen des Antisemitismus gezeiht und eine gesamte Debattenkultur in ein Tollhaus neuralgischer Befindlichkeiten und unaufgearbeiteter Ressentiments verwandelt. Dabei wendet sich linke Gesinnung immer mehr gefährlich nach rechts.

 

14:30 Uhr
-15:30 Uhr

Gegenkultur
Künstler für eine Ästhetik wider den Zeitgeist

Podiumsgespräch mit Diego Castro, Frontmann der Band Black Heino (»Heldentum und Idiotie«); Robert Newald, Fotograf und Filmproduzent (Standard, Falter, Wiener Zeitung u.a.); Nirit Sommerfeld, Sängerin des Orchesters Shlomo Geistreich (»KlezMeshugge«); Anja Panse, Schauspielerin und Regisseurin (»Rosa – Trotz alledem«); Moderation: Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin Melodie & Rhythmus

Kunst und Kultur heute stehen im Bann neoliberaler Eindimensionalisierung, der Diktatur des Stumpfsinns, vor allem totaler Kommerzialisierung − die selbst noch die Revolte gegen sie zum Kassenschlager verkommen lässt. Wie können sie als Bastion des widerständigen (Kollektiv-)Subjekts gerettet werden, und was müssen sie dafür leisten? Widerspiegelung der herrschenden Verhältnisse, Solidarität mit den Unterdrückten oder gar Agitation für »das größte Kunstwerk der Menschheit: die Weltrevolution«, wie der Komponist Hans Werner Henze forderte?

 

15:30 Uhr
-16:45 Uhr

M&R-Konzert:
Black Heino Solo und Nirit Sommerfeld & Orchester Shlomo Geistreich

Black Heino Solo

Diego Castro, Sänger der Berliner Garagenrock-Combo Black Heino, deren Debütalbum »Heldentum und Idiotie« mit politischen Texten und energiegeladenem, in den 60s und Postpunk verwurzelten Rock für viel Aufmerksamkeit in den Feuilletons sorgte, präsentiert Songs seiner Band und Solomaterial − wie immer kritisch, giftig, auch humorvoll, vor allem pointiert und ohne Befindlichkeiten. 

Nirit Sommerfeld & Orchester Shlomo Geistreich

Die israelisch-deutsche Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Aktivistin tritt mit ihrem Orchester in Trio-Besetzung auf (Nirit Sommerfeld: Gesang und Geschichten; Andi Arnold: Klarinette; Lili Sommerfeld: Klavier und Gesang). Die Formation lässt Wurzeln des Klezmer und israelischer Volksmusik sprießen − mit neuen Texten, Rhythmen und Melodien über Liebe, Sehnsucht, Heimweh-Wut und den Wunsch nach Frieden und Versöhnung.

 

19:30 Uhr
-21:00 Uhr

Achtung!Wir beginnen pünktlich!

„ROSA – Trotz alledem“

Dortmund-Premiere des Theaterstücks

Text und Regie: Anja Panse
Ausstattung: Kathrin Krumbein
Musik: Annegret Enderle
Dramaturgie und Produktionsleitung: Barbara Kastner
Schauspiel: Susanne Jansen, Lutz Wessel
Puppenspieler: Arne van Dorsten
Puppenbau: Rodrigo Umseher, Ludwig Pauli

Vor 100 Jahren zerstörte der Erste Weltkrieg Europa, die Russische Revolution stand kurz bevor – und Rosa Luxemburg kämpfte für eine friedliche, gerechtere Welt. Als außerordentlich klarsichtige Analytikerin gesellschaftlicher Verhältnisse führte sie den Menschen die gravie­rende Kluft zwischen Arm und Reich vor Augen, sprach von „Kriegswirtschaft“ im Interesse des Kapitals, von „Meinungs­manipulation“. Ihr Ziel war eine antikapitalistische und freie Gesellschaft. Ihr Name ist bekannt, doch wofür stand sie? Ihr Nachlass lässt ihr politisches Wirken, ihre flammenden Reden lebendig werden, aber auch ihre Situation als Frau und ihre stillen, privaten Momente, in denen sie erschöpft vom politischen Kampf innehielt: Ihre Liebe zur Ornithologie, zur Literatur, ihre Liebesbeziehungen und Freund­schaften.

Rosa Luxemburgs Denken und Handeln wirkt in unsere Gegenwart hinein – in eine Zeit der „alternativen Fakten“, der politischen Unberechenbarkeiten, der gefühlten Ohnmacht in einer übermächtig-komplexen Welt. Im Dialog zwischen Puppen, Puppenspieler und Schau­spieler/innen werden Verbindungslinien zwischen damals und heute gezogen. Imaginäre Gespräche zwischen historischen und heutigen Figuren lassen wiederkehrende Muster und Machtstrukturen deutlich werden und legen die Zwiegespaltenheit der Menschen offen: Anpassung an das System oder politischer Kampf – privates Glück oder politischer Auftrag?

“Rosa – Trotz alledem” ist eine künstlerische Positionsbestimmung des eigenen Handelns, ergründet die Herrschaftsverhältnisse unserer Zeit und stellt mit Rosa Luxemburg die Frage nach Alternativen.

 

22:00 Uhr
-23:00 Uhr

Konzert unplugged: Cressy Jaw

Widerspruch bewegt. CRESSY JAW kämpfen sich durch epische Mehrstimmigkeiten, um kurz darauf einen dancy Reggae-Beat samt Schrei-Finale rauszuhauen. Gelebter Widerspruch heißt für das Crossover-Trio tagelang im Auto auf Tour zu sein, ohne dabei das Bewusstsein für Mutter Natur zu verlieren. Ehrliche Geschichten in einer verlogenen Welt. Aufstehen, obwohl es kompliziert bleibt. Leicht hängengeblieben an den Riffs von RAGE AGAINST THE MACHINE und PEARL JAM sind CRESSY JAW niemals müde, sich in Kampagnen gegen ungerechte Verteilungsverhältnisse zu engagieren. Der STATE RADIO-inspirierte Antrieb: die Leidenschaft für gute Konzerte und ein besseres Leben. Text und Ton haben ihr Ziel erreicht, wenn sie das Publikum bewegen. Egal ob im Wohnzimmer, im Club oder auf der Festivalbühne: meist kann sich niemand ihren Bandnamen merken. Und Du?

 

Sonntag, 9. September 2018

Ab 9:00 Uhr

Bemme-Frühstück

Frischer Kaffee und mit Liebe gemachte Brote, auch vegetarisch und vegan. Dazu Tee, Obst, Saft – alles, was zu einem guten Frühstück gehört

11:00 Uhr
-12:00 Uhr

Strategien der Konterrevolution in Lateinamerika

Diskussion mit André Scheer, Leiter des Ressorts Außenpolitik der Tageszeitung junge Welt

Es sind immer wieder dieselben Bilder, die hierzulande über die Lage in Lateinamerika verbreitet werden: »Friedliche« Massenproteste gegen die »autoritäre Regierung«, »brutale Unterdrückung« durch die Sicherheitskräfte – so im vergangenen Jahr in Venezuela oder 2018 in Nicaragua. Auch wenn die Motive der Demonstranten und die Auslöser der Konflikte unterschiedlich sind – die Ereignisse weisen zu viele Parallelen auf, als dass man nur von Zufällen ausgehen kann.

 

12:00 Uhr -13:15 Uhr

En memoria: Salvador Allende
Konzert und Lesung zu Ehren Allendes mit Nicolás Miquea und Rolf Becker

Der Liedermacher, Dichter und Gitarrist Nicolás Rodrigo Miquea wurde 1981 in Talcahuano in Chile geboren und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Er studierte klassische Gitarre in New York, Weimar und Rostock.

Miquea hat sich mit seinem lateinamerikanischen Erbe auseinandergesetzt und ließ sich von großen Liedermachern wie Víctor Jara und Violetta Parra inspirieren. Viele seiner Texte wurden in Chile veröffentlicht. Seine erste Gedichtsammlung “Cabeza, manos, tronco y cuello” („Kopf, Hände, Rumpf und Hals“) erschien 1994. In seinen Liedern behandelt Nicolás neben Biographischem vor allem politische Themen, Musik ist für ihn politischer Aktivismus. Dabei setzt er sich kritisch mit der Rolle des Westens in der Welt auseinander. Dies wird beispielwiese in dem Lied „Cuando el imperio habla de paz“ („Wenn das Imperium von Frieden redet“) deutlich. Zudem kritisiert er, dass sich die Menschen hier in Europa trotz besserer Bildung kaum der globalen Zusammenhänge und Konflikte bewusst sind. Diese Blindheit bzw. dieses Nicht-sehen-wollen behandelt er in seinem Lied „Discusión con un europeo“ („Diskussion mit einem Europäer“). Nicolás beleuchtet hier die Kehrseite der Medaille der globalisierten Welt. Denn im Westen nutzen wir die Vorteile der Globalisierung auf Kosten der Anderen. Sprich, die Grenzen sind geöffnet, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, gleichzeitig jedoch werden sie immer fester, höher, sicherer. „Europäer du vergisst“, sagt Nicolás Miquea in dem Text, „den Tsunami aus Knochen, der sich vor deinen Grenzen ansammelt“.

Anlässlich des 45. Todestags des sozialistischen Präsidenten Chiles, Salvador Allende, trägt Nicolás Miquea ein eigens dafür zusammengestelltes Programm ihm zu Ehren vor. Der bekannte Schauspieler und Antifaschist Rolf Becker liest Textauszüge der Lieder in deutscher Übrersetzung

 

14:00 Uhr -15:00 Uhr

Diktatur und Widerstand in der Türkei

Mit Nick Brauns (Journalist), Moderation: Sebastian Carlens (jW-Redaktion)

Die Alleinherrschaft des türkischen Präsidenten Erdogan erscheint nach den Wahlen im Juni gefestigt. Zehntausende politische Gefangene füllen die Knäste, während der Einfluss der faschistischen Grauen Wölfe weiter zunimmt. Doch gleichzeitig wird ein wirtschaftlicher Zusammenbruch des Landes immer wahrscheinlicher. Derweil liefert Deutschland Waffen an die türkische Armee, die nach Syrien auch im Irak zündelt. Kurdische Linke und türkische Kommunisten werden auch hierzulande als Terroristen verfolgt. Und Ende September will Erdogan zum Staatsbesuch nach Berlin kommen. Gegen die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft der herrschenden Klassen gilt es, die internationale Solidarität zu entwickeln.

 

15:30 Uhr -17:00 Uhr

Kehraus in der Lenin-Bar

 

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